Im Himmel steht ein Baum

IM HIMMEL STEHT EIN BAUM
DRAN HÄNG ICH MEINEN TRAUM

- Weihnachten für Kinder in alten Zeiten -

 

In dieser Ausstellung von 2013 wurde Kinderspielzeug aus der Zeit 1890 bis 1930 gezeigt. Wir haben bei der Auswahl der Exponate sowohl die kalte Winterzeit als auch das nahende Weihnachtsfest berücksichtigt. Da das Weihnachtsfest eng mit dem Schenken zusammenhängt, haben sicher einige der hier gezeigten Exponate ihren Einzug ins Kinderzimmer als Geschenkpaket unter dem Weihnachtsbaum begonnen.
In der Vitrine mit den Winterkindern zeigen wir historische Puppen in Ihrer winterlichen Bekleidung mit ihrem Zubehör. Die Puppe an sich war ein überaus kostbares und teures Geschenk. Kinder besaßen üblicherweise nur wenige Puppen. Und wenn eine Puppe in der Vorweihnachtszeit auf wundersame Weise für einige Tage verschwand, dann nur, um bei der Bescherung mit neuem Kleid oder Mantel neu und prächtig unter dem Weihnachtsbaum zu stehen. Vielleicht war es auch die große Schwester, die die Adventszeit damit zugebracht hatte ein Mützchen oder Muff herzustellen?
Ebenfalls selbst hergestellt war das Papiertheater. Als Unterbau ein stabiler Kasten, in dem Kulissen und Figuren verstaut werden konnten, darauf das Portal mit Vorhang und die Halterungen für die Kulissen. Figuren und Kulissen konnten als Ausschneidebogen gekauft und immer wieder ergänzt werden. Die hier gezeigte Szene ist das Märchen vom König Drosselbart, vielleicht wurde am nächsten Weihnachtsfest das Märchen vom Kalif Storch aufgeführt?
Wie auch heute noch, gehörte der Gang zum Weihnachtsmarkt in die Vorweihnachtszeit. Unter dem Vorwand ein Geschenk für entfernte Verwandte oder Freunde finden zu müssen, lieben wir den Geruch von Punsch, das Streifen durch die Gassen der Händler. Wir finden im schummrigen Licht alles, was niemand wirklich braucht, aber das Herz so wunderbar warm macht. Vor der Bescherung wird in die Kirche gegangen. In dieser Vitrine werden zwei Kinderaltäre mit ihrer prächtigen Ausstattung gezeigt, es sind katholische Spielzeuge aus dem Süddeutschen Raum. Dieses Spielzeug sollte dem Kind die Liturgie nahebringen und hat von der Bibel bis zum Weihrauchschwenker alles im Kleinen, was auch die große Kirche zu bieten hat. Wenn nun alle Vorbereitungen getroffen sind, dann sind wir nah dran am Weihnachtsfest und dem vorbereiteten Gabentisch. In jedem Geschenk an das Kind befindet sich ein Wunsch des Erwachsenen an die Zukunft des beschenkten Kindes. Soll es ein Architekt werden, dann ist es der Künstlerbaukasten und wird es ein Biologe, dann ist es das Frosch-Häuschen. Da aus einer früheren Zeit berichtet wird, ist das Spielzeug für Mädchen auf die Versorgung der Familie ausgerichtet. Was sich einfach anhört, ist eine unglaublich umfangreiche Aufgabe: Hier gilt es die Familie zu bekochen, sich um die Kinder zu kümmern und zu schneidern. In einer Zeit ohne Waschmaschine und Elektroherd sicher eine anspruchsvolle Tätigkeit.
Nun hoffen wir, dass Ihnen die hier ausgebreiteten Gaben gefallen und vielleicht die Erinnerung an ein eigenes, schönes Weihnachtserlebnis geweckt hat.

 

 

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Der erste Schnee

Ei du liebe, liebe Zeit, ei wie hat’s geschneit, geschneit!
Rings herum, wie ich mich dreh, nichts als Schnee und lauter Schnee.
Wald und Wiesen, Hof und Hecken, alles steckt in weißen Decken!
Und im Garten jeder Baum, jedes Bäumchen voller Flaum!
Auf dem Sims, dem Blumenbrett liegt er wie ein Federbett!
Auf den Dächern um und um nichts als Baumwoll‘ rings herum!
Und der Schlot vom Nachbarhaus, wie possierlich sieht der aus:
hat ein weißes Müllerkäppchen, hat ein weißes Müllerjöppchen!
Meint man nicht, wenn er so raucht, daß er just ein Pfeiflein schmaucht?
Und im Hof der Pumpenstock hat gar einen Zottelrock,
und die pudrige Perücke und den Haarzopf im Genicke
und die ellenlange Nase geht schier vor bis an die Straße!
Und erst gar draußen vor dem Haus! – wär‘ nur erst die Schule aus!
Aber dann, wenn’s noch so stürmt, wird ein Schneemann aufgetürmt,
dick und rund und rund und dick, steht er da im Augenblick.
Auf dem Kopf als Hut ‘nen Tiegel und am Arm den langen Prügel
und die Füße tief im Schnee: und wir ringsherum, juhe!
Ei, ihr lieben Leut‘, was ist heut‘ das eine Freud‘!

Friedrich Wilhelm Güll (1812-1879)

 

 

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Bis in den Winter 1872 reichen meine Erinnerungen an das Weihnachtsfest zurück, das in meinem Elternhause von jeher mit liebevollstem und stimmungskräftigstem Aufwand begangen wurde.
Der Weihnachtsbaum musste immer groß und stattlich sein, er wurde vom Vater mit kundigster Sorgfalt ausgewählt und schon eine Woche vor dem Fest ins Haus gebracht.
Was wir als Kinder an Weihnachten geschenkt erhielten, war nur zum kleineren Teil gekauft, vieles verfertigte mein Vater selbst, unter Verwertung seiner verschiedenen Geschicklichkeiten. So überraschte er uns noch in jener frühesten Zeit mit einem aus Holz und Pappe hergestellten Puppentheater nebst Dekorationen und Kartonfiguren …, wobei er auf die Ausstattung …, viel Phantasie und Humor verwandt hatte.
Das Spielen mit diesem Puppentheater gab mir die ersten dramatisch-szenischen Vorstellungen, die noch verstärkt wurden durch das öffentliche Marionettentheater Papa Schmid´s in das uns die Eltern um jene Zeit mehrmals an den Sonntagen führten…

(aus den Erinnerungen des Freiherren von Gumppenberg (1866 – 1928) zu seiner Münchener Kinderheit)

 

 

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Aber alles, alles versank doch vor dem Weihnachtsmarkt. Schon lange vor einer Eröffnung schlug er unsere drängenden Gedanken und sehnenden Wünsche in seinen Bann. Fast über Nacht war seine lustige und luftige Budenstadt in enger Nachbarschaft des Schlosses erstanden. Zu ihr pilgerten die vermögendsten wie die ärmsten Familien, im ärgsten Schmutzwetter, im heftigsten Schneegestöber, bei bitterster Kälte, auf schwankenden Brettern über Regenlachen oder Miniatureisenbahnen trippelnd und trappelnd, immer wieder die tausend und abertausend Sachen und Sächelchen besehend und bestaunend. Was gab es hier nicht zu kaufen und zu schauen! Eigentlich alles, was der Mensch sich zur Weihnachtszeit wünschte. Die verschiedensten Größen von Pyramiden, mit grünem Papier bekleidete Holzgestelle, die vielfach die Tannen ersetzten; in steter Wiederkehr Wachsengel mit goldenen Flügeln, Papierketten, Sterne, Krippen, neben unzähligen Spielsachen in allen Preislagen. Wie quiekte, pfiff, klapperte, zwitscherte, rasselte, trommelte, flötete es in den Budenreihen seitens der Anpreiser und Anpreiserinnen. Und welche Anziehungskraft übte die an der Ecke der Breiten errichtete Lotterie- und Würfelbude aus, vor der auf einer niedrigen Kiste ein buntgekleideter Mann stand, während seine lockend ihre heisere Stimme erschallen ließ: „Immer ran, jeehrte Herrschaften, wat könn´Se hier alles vor een´Silberling jewinnen“, und sie wies auf die pomphaften Gewinne, die aus Bildern, Blumentöpfen, Musikinstrumenten, Talmischmucksachen, Glas- und Porzellansachen usw. bestanden. „Jleich, jeehrte Herrschaften, wird det Jlicksrad jedreht! Sei‘n Se nicht so schüchtern; nehm‘ Se ‘n paar Nummern, Sie könn‘ janz billig ‘ne jroße Weihnachtsfreude haben!“

 

 

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Alles, was Zeit hatte, ging der Kirche zu, denn der Heilige Abend ist voller Vorahnung und Gottesweihe. Bevor noch die Messe anfing, schritt der hagere, gebückte Schulmeister durch die Kirche, musterte die Andächtigen, als ob er jemand suche. Endlich trat er an mich und fragte leise, ob ich ihm nicht die Orgel melken wolle, es sei der Mesnerbub krank. Voll Stolz und Freude, also zum Dienst des Herrn gewürdigt zu sein, ging ich mit ihm auf den Chor, um bei der heiligen Messe den Blasebalg der Orgel zu ziehen. Während ich die zwei langen Lederriemen abwechselnd aus dem Kasten zog, in welchen, jeder derselben allemal wieder langsam hineinkroch, orgelte der Schulmeister, und seine Tochter sang.

Aus: Peter Rosegger, Als ich Christtags Freude holen ging

 

 

 

 

 

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So wußten die Kinder wohl, daß die Eltern ihnen allerlei schöne Gaben eingekauft hatten, die sie nun aufstellten, es war ihnen aber auch gewiß, daß dabei der liebe heilige Christ mit gar freundlichen frommen Kinderaugen hineinleuchte und daß wie von segensreicher Hand berührt jede Weihnachtsgabe Lust bereite wie keine andere. Daran erinnerte die Kinder, die immerfort von zu erwartenden Geschenken wisperten, ihre ältere Schwester Luise, hinzufügend, daß es nun aber auch der heilige Christ sei, der durch die Hand der lieben Eltern den Kindern immer das beschere, was ihnen wahre Freude und Lust bereiten könne, das wisse er viel besser als die Kinder selbst, die müßten daher nicht allerlei wünschen und hoffen, sondern still und fromm erwarten, was ihnen beschert worden. Die kleine Marie wurde ganz nachdenklich, aber Fritz murmelte vor sich hin: „Einen Fuchs und Husaren hätt ich nun einmal gern.“
Es war ganz finster geworden, Fritz und Marie fest aneinander gerückt, wagten kein Wort mehr zu reden, es war ihnen als rausche es mit linden Flügeln um sie her und als ließe sich eine ganz ferne, aber sehr herrliche Musik vernehmen. Ein heller Schein streifte an der Wand hin, da wußten die Kinder, dass nun das Christkind auf glänzenden Wolken fortgeflogen zu anderen glücklichen Kindern.

In diesem Augenblick ging es mit silberhellem Ton: „Klingeling, klingeling“, die Türen sprangen auf, und solch ein Glanz strahlte aus dem ganzen Zimmer heraus, daß die Kinder mit lautem Ausruf: „Ach! – Ach!“ wie erstarrt auf der Schwelle stehenblieben. Aber Papa und Mama traten in die Türe, faßten die Kinder bei der Hand und sprachen: „Kommt doch nur, kommt doch nur, ihr lieben Kinder und seht, was euch der heilig Christ beschert hat“.

E.T.A. Hoffmann: „Nussknacker und Mäusekönig“