Ostern steht vor der Tür

Ostern steht vor der Tür. Aus dem letzten Jahr habe ich mir den phantastischen Artikel von Beate Witzel aus dem Märkischen Museum gemerkt, die mit Hilfe von Museumsstücken und Überlieferungen den „Osterbräuchen in Deutschland“ nachspürt.

https://www.stadtmuseum.de/objekte-und-geschichten/osterbraeuche-in-deutschland

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Oder doch?

Ich möchte folgende kleine Geschichte zum Besten geben, die mir immer einfällt, wenn ich die Papp-Eier, die man zur Osterzeit gern befüllt und die noch heute mit nostalgischen Motiven bedruckt zum Verkauf stehen, sehe.

Es war Mitte der 90er Jahre. Zu dieser Zeit ging ich jeden Sonntag auf den Flohmarkt am Fehrbelliner Platz. Das war ein festes Ritual und alle weitere Sonntagsplanung war um den notwendigen Flohmarktbesuch herumgeplant. Es muss der Saisonbeginn gewesen sein, es war noch recht kalt. An einem Stand mit hochwertigen Haushaltsgegenständen des Bildungsbürgertums, lag zwischen den Bronzen und handgemalten Porzellanen ein großes Papp-Ei. Eigentlich von der Materialität ein ganz einfacher Gegenstand, gepresst als zwei Papp-Hälften, dann innen und außen mit schönen österlichen Motiv-Papieren bezogen und an der Kante, wo man die beiden Hälften zusammensteckt, mit einem geprägten goldenen Ornamentband, oft aus Dresdner Pappe, verziert. Ich schlich um dieses Ei herum und war mir schnell darüber klar, dass ich es erwerben sollte. Der Verkäufer bemerkte mein Interesse, nahm das Ei mit beiden Händen vorsichtig zwischen den anderen Exponaten hervor und erzählte mir, als er es langsam öffnete, dass es in den zwanziger Jahren ein Geschenk seines Vaters an die Mutter gewesen war und damals mit einem Schmuckstück gefüllt, seiner Mutter große Freude bereitete. Als er das so erzählte, war mir, als wenn eine kleine Restfreude von damals dem Ei entwich und auch mich nun in heitere, festliche Stimmung versetzte. Ich zahlte den gewünschten Preis, der immerhin so hoch war, dass ich ihn bis heute nicht vergessen habe. Der Verkäufer setzte daraufhin die beiden Hälften des Ostereies wieder aufeinander, küsste das Ei und sprach: „Tschüss Mutti!“, während er mir das Ei reichte. Ich trottete etwas benommen von dannen und hing noch lange dem Gedanken nach, wieviel Leben und Erinnerung in so einem Papp-Ei stecken kann.

In diesem Sinne, schöne Ostern!