Wer das feine zweite Ohr für den Souffleur hat, sieht die Geschichte der Menschheit anders an. + Der Papierpuppenspieler +

 

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Wer das feine zweite Ohr für den Souffleur hat, sieht die Geschichte der Menschheit anders an.
Christian Morgenstern

 

Hier stellen wir Euch ein Kindertheater, etwa 1910 hergestellt vor:

Ja. Kunst, mei´ liaba, guata Freund,
Is net bloß Kunst alloa, wie´s scheint,
Die Kunst (trag´s den, trag´s jenen Titel),
Die Kunst is a´ Erziehungsmittel!
Und drum führ Kasperl Du nur so
Frisch, Fröhlich, fromm und weis´ und froh
Dei´ Werk so furt in jedem Fall,
Na ham´s Di gern gar überall!

(Riedelsheimer, A.: Die Geschichte des J. Schmidschen Marionettentheaters, 1922)

 

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Wie bei seinem Vorbild, dem großen Theater, hat das Papiertheater ein „Proszenium“ (Bühnenportal) und einen Vorhang. Oftmals waren die Bühnenportale bekannten Bühnen nachgebildet.
Außerdem sind ein oder mehrere Bühnenbilder und Figuren für das Stück erforderlich.
Die früher mitgelieferten Bühnenbilder konnten mehr oder weniger umfangreich ausgestattet sein: Minimum ist dabei ein „Bühnenprospekt“ (die hintere Begrenzung) und ein bis mehrere seitliche Kulissenpaare, die die Tiefenwirkung des Bühnenbilds hervorrufen.
Gab es zwei Sets an Kulissen, konnte das Schauspiel beziehungsweise die Oper bereits als Zweiakter mit unterschiedlicher Ausstattung aufgeführt werden.
Die Texte wurden entweder auswendig gesprochen oder nach Textbüchern mit verteilten Rollen vorgelesen.

 

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Der Verlag Schmidt brachte eine mehrere hundert Hefte zählende Serie von Textbüchern heraus, denen in der Mitte des Heftes jeweils ein farbiger Ausschneidebogen mit den benötigten Figuren beigefügt war.

 

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Warenhaus A. Wertheim – Berlin – Haupt-Preisbuch 1903/1904

 

Hier wird ein Papiertheater als Puppentheater mit Figuren und Dekorationen in verschiedenen Ausführungen zwischen 2,90 und 65 M, angeboten.

 

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Der Theaterbesuch

 

Bis in den Winter 1872 reichen meine Erinnerungen an das Weihnachtsfest zurück, das in meinem Elternhause von jeher mit liebevollstem und stimmungskräftigstem Aufwand begangen wurde.
Der Weihnachtsbaum musste immer gross und stattlich sein, er wurde vom Vater mit kundigster Sorgfalt ausgewählt und schon eine Woche vor dem Fest ins Haus gebracht.
Was wir als Kinder an Weihnachten geschenkt erhielten, war nur zum kleineren Teil gekauft, vieles verfertigte mein Vater selbst, unter Verwertung seiner verschiedenen Geschicklichkeiten. So überraschte er uns noch in jener frühesten Zeit mit einem aus Holz und Pappe hergestellten Puppentheater nebst Dekorationen und Kartonfiguren …, wobei er auf die Ausstattung …, viel Phantasie und Humor verwandt hatte.
Das Spielen mit diesem Puppentheater gab mir die ersten dramatisch-szenischen Vorstellungen, die noch verstärkt wurden durch das öffentliche Marionettentheater Papa Schmid´s in das uns die Eltern um jene Zeit mehrmals an den Sonntagen führten…

(aus den Erinnerungen des Freiherren von Gumppenberg (1866 – 1928) zu seiner Münchener Kinderheit)

 

unter großem bengalischem Feuer – Schluß!

(aus dem Textheft Schreibers Kindertheater)