Was vom Spielen übrigblieb

In jeder Epoche geben uns Spiele und Spielzeug Aufschluß über die Art von Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern. Oder genauer: Sie verraten uns, welche Vorstellung die Erwachsenen von Kindern haben und was sie für die „Aufgabe“ der Kinder in der Gesellschaft halten. Selbstverständlich spielen Kinder auch für sich, erfinden ihre eigenen Arten des Spiels mit der Welt, aber Erwachsene machen sich die Ernsthaftigkeit der Kinderspiele „zunutze“, um dadurch die Kinder auf den „richtigen Weg“ zu bringen. In dieser Hinsicht verweisen Spiele auf eine Beziehung zweier Klassen von Menschen, die, so „familiär“ sie auch miteinander umgehen mögen, einander letztlich doch fremd sind und in getrennten Welten leben.
Als Spielen bezeichnen Erwachsene eine Tätigkeit, der Kinder im Grunde ununterbrochen nachgehen, und sie hoffen, diese Aktivität damit eingeordnet und auf ihren Platz verwiesen zu haben. Kindheit nimmt sich selbst und die Welt ernst, stellt experimentelle Beziehungen zu ihrer eigenen körperlichen und inneren Existenz her, und zu der Welt dort draußen, wie sie sich in Gegenständen und Personen verkörpert.
In den Augen der Erwachsenen wirkt dieses stetige „experimentum mundi“ wie eine Art von „Freizeit“, die das Kind genießt, während die Verpflichtungen des Erwachsenenlebens es bereits erwarten. Indem es den Erwachsenen selbst gelungen ist, erwachsen zu werden, haben sie sich weit von der Kindheit entfernt und dadurch vergessen, daß Zeit und Zweck damals nicht so scharf eingegrenzt waren, daß nur die Erfahrung als solche galt. Freude und Schmerz, Dunkelheit und Licht, Zärtlichkeit und Grobheit bildeten ein einziges, ursprüngliches, dem Zugriff der Zeit enthobenes Ganzes.

Franco La Cecla, in: Kid Size, Möbel und Objekte für Kinder, Vitra Design Museum

 

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Fleißbildchen um 1900

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